Robert Schumann: Fantasiestücke op. 73 Niels Wilhelm Gade: Fantasiestücke op. 43 August Hendrik Winding: Drei Phantasiestücke op. 19 Carl Nielsen: Fantasiestücke Philippe Gaubert: Fantasie Gioacchino Rossini: Fantasie
Das Fantasiestück ist eine typische Entwicklung des 19. Jahrhunderts: im kleinen Rahmen und unbelastet durch komplizierte Formarchitektur sucht der Komponist den unmittelbaren emotionalen Ausdruck. Robert Schumann prägte den Begriff und schrieb – meist für Klavier solo – eine beträchtliche Zahl dieser kleinen Meisterwerke. Die 1849 entstandene Sammlung von Fantasiestücken für Klavier und Klarinette bezieht zusätzlichen Reiz aus den klanglichen Differenzierungs- und Verschmelzungsmöglichkeiten der beiden Instrumente. Ebenfalls ganz dem romantischen Zeitgeist verpflichtet sind die Fantasiestücke der dänischen Komponisten Niels Gade und August Hendrik Winding, während Carl Nielsen schon an der Schwelle zur Moderne steht und Philippe Gaubert Einflüsse des Impressionismus aufgreift. Ergänzt wird diese Sammlung kleiner Pretiosen durch eine Fantasia von Gioacchino Rossini, der unter Beweis stellt, das die Oper nicht sein einziges meisterhaft beherrschtes Metier ist.
Jeder Komponist hat seine ganz eigene Vorstellung von der musikalischen Fantasie – Andreas Weiß und Michiko Suzuki bringen sie in gleichermaßen überzeugender Weise zum klingen.
Heribert Haase (Das Orchester - 41/1993 Heft 11) 01.03.1993 Oft lassen sich ungewöhnliche Programmideen nur mit Hilfe kleinerer Firmen durchführen: Eine repräsentative Auswahl von Fantasiestücken für Klarinette und Klavier aus dem 19. Jahrhundert hat das Label Fermate herausgebracht. Die eingespielten Werke sind nicht nur durch den für Romantik typischen Gattungstitel miteinander verbunden, es gibt auch einige biographische Querverbindungen zwischen den Komponisten. Robert Schumann, mit seinem Maßstäbe setzenden op. 73 vertreten, war mit Nils W. Gade befreundet, der mit seinen Fantasiestücken op. 43 zwar eine gewisse Eigenständigkeit zeigt, aber seinen Freund keineswegs kompositorisch erreichen konnte. Der Däne August Winding (1835-1899) war Schüler von Gade und steht mit seinen weithin unbekannten, sehr einfallsreich gestalteten und pianistisch anspruchsvollen Fantasiestücken op. 19 seinem Lehrer in nichts nach. Carl Nielsen ging ebenfalls bei Niels W. Gade in die Kompositionslehre und versuchte sich als Sechzehnjähriger an einem kurzen, wenig markanten Fantasiestück. Die weiteren Werke sind von anderer Provenienz: Gauberts (1879 - 1941 ) impressionistisch beeinflußte, mehr zum Virtuosen neigende Fantasie wurde 1919 für das Pariser Konservatorium geschrieben, während Rossinis wenig anspruchsvolle Fantasie von 1829 ein wenig buffonesk wirkt.
Der Klarinettist Andreas Weiß, der bei den Bochumern Sinfonikern als 1. Klarinettist tätig ist, spielt insgesamt technisch sehr zuverlässig, mit warmer und runder, wenn auch nicht immer ganz ausgeglichenen Tongebung. Die Pianistin Michiko Suzuki ist vor allem auf Klarheit bedacht, gibt aber auch häufig die Gestaltungsimpulse, während der Klarinettist zu reserviert agiert. Insgesamt vermißt man jedoch bei der Interpretation das Poetische der Musik
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